Verschlafen

Die Lebensmittelversorgung in Deutschland, explizit der Lebensmittel Groß- und Einzelhandel, steht vor einer historischen Herausforderung.

Ging es in den letzten Jahrzehnten dort um Wachstum und günstige Preise, werden in den nächsten Dekaden die Sicherung der Grundversorgung bzw. die generelle Verfügbarkeit von Lebensmittel auch bei uns in den Vordergrund geraten. Schon jetzt jagen wir wohlhabenden Länder unsere Erntemaschinerie über den Globus, von immer weiter her kommen früher meist heimisch produzierte bzw. geerntete Produkte, Tierfutter etc.

In 2018 lag, bedingt durch die Trockenheit in Deutschland, der Ernteausfall in Deutschland mit 2 Mrd. Euro noch etwas höher wie 2003. Aktuell hat es hier in Mittelhessen in den letzten Wochen viel geregnet, in den umliegenden Bächen sieht man davon wenig. Obwohl die Witterung 2019 in Hessen deutlich wechselhafter war, bewegten sich die Grundwasserstände Ende September an 75 % der Messstellen Hessens auf einem unterdurchschnittlichen Niveau. An 34% der Messstellen wurden sogar nur sehr niedrige Grundwasserstände erreicht. Der Klimawandel wird auch unsere Ernten innerhalb Deutschlands und Europas in den nächsten Jahrzehnten massiv verändern. In der Folge werden wir noch mehr global unseren Bedarf decken müssen. Auch die Wasserversorgung generell wird zentraler werden.

Zeitgleich werfen wir hier seit Jahren mit etwa 13 Millionen Tonnen seit Jahren grob gleichbleibende Mengen an Lebensmittel weg. Wir kaufen immer mehr frische Waren. Eine Kategorie, die überdurchschnittlich oft im Müll statt im Magen landet.

Secondfood hat bei Einzelhandelsketten einen schweren Stand. In persönlichen Gesprächen mit der Führungselite wird dort die These vertreten, dass selbst die Verarbeitung von kostenlos verfügbaren, aktuell entsorgten z.B. Früchten zu Saft teurer ist wie der aktuelle Bezug. Sieht man aktuell alleine die nackten Zahlen ohne den humanitären Schaden unseres Warenbezuges, wird sich diese Rechnung in absehbarer Zeit stark verändern.

Wie werden wir in Zukunft konsumieren, mit welchen globalen Auswirkungen werden wir dies tun? Aktuell leben wir im absoluten Überfluss zu Spottpreisen. Aber wird dies so bleiben? Wenn aktuell entsorgte aber noch gute Lebensmittel zu teuer sind um gerettet zu werden, vergisst man die humanitäre Seite, die Bedürftigkeit von aktuell Millionen vom Hungertod bedrohte Menschen weltweit. Zusätzlich verschläft man die Möglichkeit den Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur zu fokussieren, welche auch in absehbarer Zeit für die Deckung des eigenen Bedarfes generell und immer mehr von Bedeutung wird.

Welcher Schaden unser weltweiter Konsum anrichtet, haben wir letzte Woche in verschiedenen Teilen beleuchtet. Aktuell sind mehr Menschen auf der Flucht wie in Zeiten des 2. Weltkrieges. Was verursacht diese Flucht heute? Der 2. Weltkrieg war zeitlich begrenzt. Was, wenn wir die Fluchtursachen diesmal nicht begrenzen können oder wollen?

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