Erntedank 2021

Heute am 03.10.2021 wird traditionell vielerorts ein Erntedankgottesdienst gefeiert. Schon im ersten Buch der Bibel wird erstmalig von Opfergaben der Ernte und Viehzucht an den biblischen Gott berichtet. Auch außerbiblisch brachten seit der Antike z.B. die Griechen der Göttin der Fruchtbarkeit, der Saat und des Getreides Demeter, oder die Römer der Göttin Ceres Dankopfer. Und das aus gutem Grund.

Von einer guten Ernte hing schon damals und hängt auch heute noch das Überleben der Menschheit ab. Ist uns das bewusst?

Welchen Stellenwert hat für uns der Begriff „Ernte“? Unsere Lebensmittelversorgung erfolgt meist über bis zum Ladenschluss stets volle Regale im Supermarkt oder Discounter. In Deutschland gibt es so viele Lebensmittel, dass ca. 50 % aller Lebensmittel erst gar nicht unsere Mägen erreichen. Diese müssen meist noch genießbar vernichtet werden.

Für diesen Überschuss bedient sich Deutschland in den Gärten und Ställen auf der ganzen Welt. Der Preis bestimmt meist die Herkunft. So sind wir es schon längst gewohnt z.B. Schweinefleisch aus Chile, Spargel aus Peru oder Weintrauben aus Indien zu konsumieren. Das hat zur Folge, dass sich Deutschland in 2018 nur noch mit Fleisch, Kartoffeln, Milch und Zucker komplett selbst versorgen konnte. Selbst mehr als jeder zweite Apfel im deutschen Handel kommt bereits aus dem Ausland, bei immer mehr nicht geernteten Apfelbäumen hier.

Das macht uns extrem abhängig von weltweiten Ereignissen und einem Funktionieren globaler Lieferketten. Auch hat unser Konsumverhalten hier direkte Auswirkungen auf die Lebensmittelversorgung von Menschen weltweit.

Was sich in der letzten Zeit auch an den hier stets vollen Lebensmittelregalen immer öfter ändert, ist die Preisauszeichnung. Viele Produkte werden immer mehr etwas teurer, die Inhaltsmengen geringer oder gar beides zusammen. Das hat zur direkten Folge, dass sich hier in Deutschland immer mehr Menschen eine nahrhafte und ausgewogene Ernährung nicht mehr leisten können. Aber gerade global rutschen immer mehr Menschen in die Hungerfalle, verhungern sogar. So hat sich die Zahl der Menschen, welche an der extremsten Form von Hunger leiden, innerhalb von 12 Monaten bis Ende 2020 auf über 256 Millionen Menschen verdoppelt.

Die Menge an aller global aktuell vernichteter Lebensmittel reicht aus um 2 Milliarden Menschen angemessen zu ernähren. Jedes gerettete und verzehrte Lebensmittel ersetzt ein weiteres, global erzeugtes, verpacktes und transportiertes.

Erntedank 2021 sollte uns daran erinnern, dass unser Überschuss nicht normal ist. Wir sitzen weltweit alle zusammen an nur einen gedeckten Tisch. Nehmen wir, die privilegierten zu viel, bleibt für den Rest nichts über. Seien wir wachsam auf Blick der unaufhaltsam kommenden Klimakrise und lernen langfristig das zu konservieren, was wir jetzt achtlos entsorgen.

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