Projekt Secondfood

Weltweit landen unvorstellbare Mengen an noch guten Lebensmittel im Müll. In Deutschland wirft jeder Bürger im Schnitt ca. 80 kg / Jahr zu viel gekaufte Lebensmittel weg. Über die Entsorgung im gewerblichen Bereich gibt es mit Schätzungsweise 5 – 13% nicht einmal verlässliche Zahlen. Insgesamt werden rund 50% aller hier in Deutschland verfügbaren Lebensmittel nicht verzehrt. Liegt es in westlichen Ländern meist an einer Übersättigung, verderben z.B. in Indien dringend benötigte Lebensmittel aufgrund von fehlender, geeigneter Lagermöglichkeiten, Kühlhäuser, funktionierende Kühlketten, geregelte Stromversorgung etc.

Zeitgleich hungern aktuell weltweit 815 Millionen Menschen. In 2017 stieg die Zahl der seit 1990 sinkenden Statistik erstmals wieder an. An Hunger sterben heute weltweit mehr Menschen als an AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen!

Auf dem Weltmarkt fehlen die weggeworfenen Lebensmittel bzw. deren Roh- und Hilfsstoffe und treiben weltweit die Preise stark nach oben. Von den Unmengen unnötig angebautem Futter und in Intensivmast gezüchteten und im Akkord geschlachteten Tieren ganz zu schweigen.

Bei dem gemeinnützigen Secondfood- Ansatz bildet ein planmäßiges Einsammeln und der Aufbau einer funktionsfähigen und gemeinnützigen Infrastruktur, welche ein professionelles und wirtschaftliches Auf- oder Weiterverarbeiten von sonst entsorgten Lebensmitteln zu robusten, ungekühlt lagerfähigen und maximal lange haltbaren Lebensmittel weltweit ermöglicht, die Grundlage. Ziel ist Menschen ohne berufliche Perspektiven weltweit eine neue Möglichkeit zur eigenen Versorgung zu bieten und ihnen durch eine direkte Absatzmöglichkeit dieser Lebensmittel ein Einkommen zu ermöglichen.

Vier Anwendungsbeispiele bei:

  • Frischobst

Nach einem für die Weiterverarbeitung geeigneten Transport kann auf Basis des optischen Kaffeebohnensortiers von Fairdirect e.V. dieses automatisch sortiert werden. So könnten generell gute von schlechten Lebensmittel kostengünstig getrennt werden. Das so gewonnene, gute Obst kann z.B. zu Marmelade eingekocht, zu Saft bzw. Saftkonzentrat weiterverarbeitet oder durch Trocknen haltbar gemacht werden.

  • Brot

Trockenes Brot kann nicht mehr schimmeln. Nach einem ebenfalls für die Weiternutzung geeigneten Transport und einer automatischen, optischen Kontrolle und optimaler Resttrocknung lässt sich dieses lange und ohne Probleme ungekühlt lagern. Somit ist trockenes Brot optimal für z.B. den Export in sozial schwache Länder oder für eine Weiterverarbeitung z.B. zu Paniermehl geeignet. Zur „Reaktivierung“ zu Brot im Frischezustand genügt Wasser und Hitze.

  • Gemüse

Zu krumm, zu dick, zu klein oder zu viel. Heute stellt der Handel strenge Vorgaben an natürlich gewachsene Produkte wie Gemüse. Der Ausschuss wird entsorgt. Auch hier ist für eine Weitergabe oder Weiterverarbeitung eine geeignete Einsammlung wichtig. Dieses kann nach der Sortierung z.B. zu Gemüsesuppe, abgekocht in Konserven oder zu getrockneter Instant Gemüsebrühe weiterverarbeitet werden. Viele nicht mehr für den Verzehr geeignete Obst- und Gemüsesorten können noch als Saatgut weiterverarbeitet bzw. genutzt werden.

  • Fleisch

Fleisch lässt sich leicht in Gläser oder Konserven einkochen. Wichtig ist hier in erster Linie die Rettung und Konservierung des Fleisches. So lässt sich der sinnlose Tod von sehr vielen Tieren minimieren. Auch hier ist die Einsammlung und der Transport in geeigneten Behältern unter Einhaltung der lückenlosen Kühlkette besonders wichtig. Z.B. Eingekocht in Gläsern oder Konserven ist das Fleisch so ohne Kühlung min. ein Jahr haltbar und kann aus dem Glas bzw. der Konserve auch noch weiterverarbeitet werden. Auch der Wasserentzug, also das Dörren ist eine gute Möglichkeit und eignet sich wegen dem starken Gewichtsverlust für gerade lange, ungekühlte Transporte.

Durch eine koordinierte Einsammlung und Transport (gekühlt) gehen überflüssige Nahrungsmittel regional in eine Zentrale. Hier werden daraus gezielt robuste, ungekühlt und möglichst lange haltbare Produkte erzeugt. Wenn dies nicht möglich ist, werden diese sofort weiter regional kostenlos verteilt.

Mögliche Formen für eine koordinierte Einsammlung:

  • Ensorgungsunternehmen könnten eine geeignete Infrastruktur parallel zu bestehenden Sammeltonnen bzw. Sammelcontainern für die Lebensmittelrettung von Gewerbe und Privathaushalten bieten. Wichtig ist hier die Definition. Muss „Müll“ immer entsorgt werden, ist eine Weitergabe bzw. Weiterverarbeitung als „Lebensmittel“ problemlos möglich.
  • Der Lebensmitteleinzelhandel könnte Konsumenten mit z.B. Abgabemöglichkeiten für übrige Lebensmittel eine Alternative zum Wegwerfen bieten. Hier wäre, als Anreiz, ein Coupon- System, welches auf z.B. fertige, aus diesen Lebensmittel gewonnenen Produkten einen Rabatt gewährt, möglich. Abgabestellen ähnlich der Leergutannahme oder bei einer regionalen Auslieferung von online bestellten Waren eine Abholung direkt bei den Konsumenten wären möglich.

Diese so erzeugten Lebensmittel könnten zur Stillung des Hungers weltweit genutzt werden. Alternativ könnte z.B. Secondfood als Marke genutzt und so der nachhaltige Ursprung und die gemeinnützige Produktion als Werbemarke für einen „normalen“ Verkauf genutzt werden.

Absatzmöglichkeiten:

  • Ein Verkauf z.B. über bestehende Einzelhandelsstrukturen, oder über einen speziellen Onlinemarktplatz.
  • Die gezielte Ausrichtung der erzeugten Lebensmittel (besonders robust, ungekühlt lagerfähig und maximal lange haltbar) ermöglicht einen weltweiten, direkten Handel. Aus diesen Lebensmittel gewonnenes Saatgut kann die hier beschriebene Infrastruktur weltweit zusätzlich stärken. Diese können die Basis für eine langfristige, faire und direkte, weltweite Zusammenarbeit bilden.
  • Genießbare und nicht zur Weiterverarbeitung geeignete Lebensmittel werden regional an jedermann durch gemeinnützige Organisationen kostenlos verteilt.

Dieser gemeinnützige Secondfood- Ansatz dient der Verringerung unserer Lebensmittelverschwendung und unterstützt direkt wirtschaftlich benachteiligte Menschen weltweit. Nur so kann gewährleistet werden, dass sich niemand an diesen Produkten indirekt bereichert, die Entstehung einer nachhaltigen Marke nicht durch extra hierfür produzierte Lebensmittel als Absatzmarkt missbraucht wird und der Irrsinn unserer maximalen Lebensmittelverschwendung eingedämmt wird. Die Verarbeitung unseres Überschusses kommt direkt den Verlierern unserer weltweiten Gemeinschaft zugute.

Fairdirect- Vereinsmitglieder kommen aus unterschiedlichen Hintergründen und sind offen für eine Zusammenarbeit mit jedem Menschen, welcher unsere Vereinsziele teilt. Persönlich, für den Vorstand und etliche Vereinsmitglieder, sind die christlichen Werte unser Maßstab, das Vertrauen auf Jesus Christus, Respekt, Nächstenliebe und ein fairer, direkter Umgang weltweit bildet unsere Basis.

Gemeinsam möchten wir eine Ausrichtung von praktischer Hilfe nach biblischen Werten, wie sie Jesus Christus gelehrt hat, realisieren. Z.B. nach dem Gleichnis vom „barmherzigen Samariter„. Jeder, der sich auf dieser Basis mit einbringen möchte, ist herzlich eingeladen!